DIE LINKE. KV Warendorf
Sandra Lang (Sprecherin)
Reiner Jenkel (Sprecher)

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30. November 2011

Thilo hau ab, wir brauchen dich hier nicht!

„Wir haben unser Ziel mehr als erreicht. Wir konnten zeigen, dass es in Ahlen auch aufgeklärte Leute gibt, die dem einfachen Weltbild des Thilo Sarrazin nicht gedankenlos hinterher rennen,“ zeigte sich Reiner Jenkel, Sprecher der LINKEN in Ahlen und Mitorganisator der Gegenkundgebung anlässlich der Sarrazin Lesung am 29.11.2011 in der Stadthalle, zufrieden.

 

Zufrieden zeigt sich auch Reiner Jenkel, Sprecher der LINKEN in Ahlen und Mitorganisator der Gegenkundgebung anlässlich der Sarrazin Lesung am 29.11.2011 in der Stadthalle: „Wir haben unser Ziel mehr als erreicht. Wir konnten zeigen, dass es in Ahlen auch aufgeklärte Leute gibt, die dem einfachen Weltbild des Thilo Sarrazin nicht gedankenlos hinterher rennen.“ Klar und deutlich habe man dies am Dienstag Abend zum Ausdruck gebracht und das sei auch gut so gewesen.

Vielmehr müsse die Mittelstandsvereinigung der CDU sich nun endlich erklären. Wie zu erwarten erhielt die Veranstaltung draußen vor der Stadthalle Beifall von hiesigen und extra angereisten Nazis. Diese flüchteten jedoch schnell, als sie sich einer großen Menge von Integrations-Befürwortern gegenüber sahen. Nur wenig später schoss sich Sarrazin drinnen, in der Stadthalle, wieder auf Migranten ein.

„Ich hoffe, dass sich die Zuhörer des Abends nun wirklich mit dem Thema Integration auseinander setzen. Das wäre dringend anzuraten, denn wie ich meinen Schülern auch manchmal empfehle: Lesen bildet – zumindest wenn man das richtige Buch erwischt,“ äußert Jenkel. Seine fehlende Faktentreue habe Sarrazin ja schließlich nicht zuletzt mit seinen Angaben zur Struktur unserer Stadt bewiesen, fügt er grinsend hinzu.

Zu Anfang seiner Rede hatte Jenkel noch einmal sein Unverständnis für die Entscheidung der Stadt zum Ausdruck gebracht. Man hatte der Kundgebung den Zugang zu einem Stromanschluss zu verwehrt. Lautstarke Unterstützung erhielt er dabei von den Kundgebungsteilnehmern, die die Entscheidung des Bürgermeisters mit Buh-Rufen quittierten. Auch die fehlende öffentliche Unterstützung der Gegenkundgebung durch SPD und Grüne bedaure Jenkel sehr.

Rede von Reiner Jenkel

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Kundgebung,                                                                     
liebe Ahlenerinnen und Ahlener, liebe Gäste!

Bevor ich zum eigentlichen Anlass dieser Kundgebung komme, muss ich noch kurz etwas zu unserem Bürgermeister, Herrn Ruhmöller, sagen:

Noch vor einigen Tagen fand Herr Ruhmöller anlässlich der Gedenkfeier am jüdischen Ehrenmal deutliche Worte gegen den Besuch von Herrn Sarrazin,  am Freitag  erklärte er mir mit ziemlich harschen Worten am Telefon, dass wir keinen Strom aus dem Rathaus bekommen würden, da es sich bei dieser Kundgebung um eine Parteiveranstaltung der LINKEN handeln würde. Das ist einerseits ziemlicher Schwachsinn, wenn man sieht, wer an den drei Vorbereitungstreffen und dem  Pressegespräch teilgenommen hat und wer heute hier ist, andererseits enthält des Bürgermeisters Behauptung auch einen wahren Kern:

Vertreterinnen und Vertreter der sieben anderen im Ahlener Stadtrat sitzenden Parteien haben sich weder an der Vorbereitung dieser Kundgebung beteiligt noch haben sie etwas mit der Durchführung zu tun, mit einer kleinen Ausnahme: Frau Pähler-Paul von den GRÜNEN war auf einem der Treffen anwesend, davor und danach wurden aber auch weder sie noch ein anderer Vertreter ihrer Partei gesehen.
Umso mehr freue ich mich, dass so viele Menschen mit, ich mag diesen Ausdruck nicht besonders, aber mir fällt kein besserer ein, türkischem Migrationshinter-grund heute hier sind!

Herzlich Willkommen !

Nicht Willkommen, obwohl ich mich sonst immer bemühe, höflich und freundlich zu sein, heiße ich ausdrücklich Herrn Sarrazin in dieser Stadt, und damit komme ich zum eigentlichen Anlass dieser Kundgebung, zu ihm und seinen Thesen, mit denen er pauschal türkische und andere Menschen muslimischen Glaubens, Hartz-IV-Empfänger, Rentnerinnen, vor allen Dingen wenn sie arm sind und viele Andere verhöhnt und beleidigt:

Dabei nimmt Herr Sarrazin es mit der Wahrheit nicht so genau.
Wenn es in sein rassistisches Weltbild passt, ersetzt er Zahlen durch pure Behauptungen:

70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin würden vom Staat leben, würden diesen ablehnen, nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produzieren.
Diese Zahlen sind durch keine Untersuchung belegt, Herr Sarrazin hat sie sich schlicht und einfach ausgedacht!

Noch offensichtlicher sind die Lügen des Herrn Sarrazins, wenn er diese                                Behauptungen auf Ahlen überträgt und schreibt: In Ahlen gäbe es südlich der Bahnlinie eine „kompakte muslimische Stadt von 15 000 Einwohnern“. Weit gefehlt, Herr Sarrazin!
Dieser Stadtteil ist keineswegs „kompakt muslimisch“, sondern außerordentlich gemischt. Der Anteil der muslimischen Menschen beträgt weniger als die Hälfte!

Und was die Geburtenrate von türkischen Müttern, die Herrn Sarrazin offensichtlich große Sorgen bereitet, betrifft: Sie lag im Jahre 2010 im Durchschnitt bei 2,1 Kindern, was gerade reicht, um die Bevölkerung stabil zu halten!

Noch eine Tatsache, die Herr Sarrazin verleugnet: Im Jahre 2009 zogen  ca. 30 000 türkische Menschen von der Türkei nach Deutschland, im gleichen Zeitraum siedelten etwa 40 000 von Deutschland in die Türkei um!

Aber Sarrazin beleidigt nicht nur Menschen mit ausländischen Wurzeln:

Im Jahre 2008 gab er Hartz-IV- Empfängern Tipps, wie sie sich für 3,76 Euro täglich gesund und ausgewogen ernähren könnten und empfahl ihnen, bei Geldknappheit warme Pullover anzuziehen, statt zu heizen.

Die Renten müssten nach dem Willen von Herrn Sarrazin langfristig auf das Niveau einer Grundsicherung sinken.

Auch wenn das alles nicht so witzig ist, haben wir in unseren Vorbereitungstreffen vereinbart, den Humor auf dieser Kundgebung nicht zu kurz kommen zu lassen.

Dazu habe ich etwas in dem vor zwei Monaten erschienenen Buch „Die rebellische Republik“ von Thomas Wieczorek gefunden: Im Kapitel „Sarrazin: Karnevalswitz ohne Pointe“ berichtet er über eine laut Süddeutscher Zeitung vom 22. April 2010 „Büttenrede ohne Witz“, die Sarrazin, und jetzt zitiere ich Thomas Wieczorek wörtlich, „vor der Mainzer Ranzengarde, einer ebenso ranzigen wie rechtslastigen Zusammenrottung humorfreier Karnevalsgeronten“ hielt, die, wie es der Duisburger Sozialwissenschaftler Werner Jurga ausdrückte, zur „großen Stunde der kleinen Scheißer“ wurde. Diese kleinen Scheißer haben laut Wieczorek tausend Gründe, etwas gegen Türken zu haben *):

Dem ersten hat ein Türke die Freundin ausgespannt,
den zweiten eine Türkin abblitzen lassen.

Der dritte hatte als Hauptschulabbrecher bei der Bewerbung als Tagesschauredakteur keine Chance gegen einen türkischen Politologen.

Dem vierten ist alles Fremde unheimlich, so wie es seinen Vorfahren Ebbe und Flut,
das Auto und das Telefon waren.
                                                                                                                                      
Für den fünften grenzen sich die Türken schon dadurch aus, dass sie nicht jeden        dritten Tag zwei Eisbeine mit Bier und Korn herunter spülen, das Ganze patriotisch in den Grünanlagen entsorgen und voll trunken, aber deutsch nach Hause torkeln.

Und für den sechsten ist jeder deutsche Einzelhändler, der gepflegte und eifrige türkische Verkäufer schlampigen, lustlosen deutschen vorzieht, ein Grund für Türkenhass.

Lasst es mich zum Schluss noch einmal laut und deutlich sagen:


Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gehören auf den Müllhaufen der Geschichte!

Ich bin sehr froh, dass ich hier und heute nicht alleine bin!

Wir stehen hier zusammen „für Verständigung – gegen Ausgrenzung“.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit!