Stephan Schulte, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Kreistag, zu einem Leserbrief in der AZ vom 2.12.2011:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einigem Erstaunen habe ich den Leserbrief von Herrn Jobst Rüberg in Ihrer Freitagsausgabe gelesen.
Herr Rüberg geriert sich dort als besonderer Kenner meiner Partei „Die Linke“. Offenbar aber versteht er von ihr so gut wie nichts.
Ich bin Mitbegründer der Rheinland-Pfälzischen WASG und war in verschiedenen verantwortlichen Positionen am Verschmelzungsprozess von Linkspartei.PDS und WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit) zur Partei Die Linke beteiligt, so dass ich mir eine weitaus bessere Kenntnis meiner Partei anmaße.
Die Gratulation von Gesine Löztsch und Klaus Ernst zum Geburtstag von Fidel Castro haben viele in der Linken für falsch und gänzlich unangebracht gehalten. Beide haben in der Zwischenzeit diesen Fehler eingestanden.
Es ist darüber hinaus schlicht unwahr, dass meine Partei irgendjemandem zum Bau der Mauer gratuliert habe. Ich selbst und meine Familie haben unter diesem verbrecherischen Bauwerk einschließlich der übrigen sogenannten Grenzsicherungsanlagen gelitten, da sie einen Teil von uns in der Stadt Brandenburg vom in der alten Bundesrepublik lebenden Rest abschnitt. Wir sind Katholiken, so dass das Leben für meine Angehörigen im offiziell atheistischen Osten Deutschlands sich nicht von der einfachsten Seite zeigte. Als ich noch im Jahre 1988 zur Beerdigung meines Großonkels nach Brandenburg fuhr – es war für mich der erste und letzte Besuch in der damaligen DDR – hätte ich schon an dieser unsäglichen Grenze am liebsten umgedreht. Dann hatte ich anlässlich des Beerdigungsessens auch noch das ganz „spezielle Vergnügen“, miterleben zu müssen, wie es ist, nicht offen sprechen zu können. Ich wünsche solche Verhältnisse ganz sicher für niemanden zurück.
Jeder, der kürzlich die Liveberichterstattung vom Bundesparteitag unserer Partei verfolgt hat, konnte sehen, was gelebte innerparteiliche Demokratie ist. Vergleiche mit allen anderen Parteien sind uns herzlich lieb.
Welche Menschen bilden heute „Die Linke“ in der Stadt Ahlen und im Kreis Warendorf? Im Stadtrat Ahlen sitzen für uns der ehemalige Presbyter Reiner Jenkel und der ehemalige Kirchmeister Wigand Busse. Letzterer war zuvor nicht Mitglied irgendeiner anderen Partei und Reiner Jenkel war von 1971-1978 Mitglied der SPD. Im Warendorfer Kreistag nehmen Knud Vöcking (von 1974 - 1982 Mitglied der F.D.P., dann von 1987 – 1991 Mitglied bei den Grünen) und ich die beiden Mandate der Partei „Die Linke“ wahr. Ich war von 1977 bis 1978 für ein und ein dreiviertel Jahr Mitglied der Jungen Union. Von 1980 bis 1986 war ich Mitglied der SPD. Bis zur Gründung der WASG im Jahre 2004 habe ich keiner anderen Partei angehört.
Lieber Herr Rüberg, es steht Ihnen aber selbstverständlich frei, Ihre wohl allzu gut genährten Vorurteile auch weiterhin zu hegen und zu pflegen, aber es wäre ein Akt intellektueller Redlichkeit, nicht solchen Unfug in die Welt zu setzen.
Mit besten Grüßen
Karl Stephan Schulte