3. März 2011 07:58 Alter: 7 yrs

Benennung einer Straße nach Imo Moszkowicz

Stadtrat Ahlen/Antifaschismus/Positionen

In Ahlen soll eine Straße oder ein Platz nach Imo Moszkowicz benannt werden. Einen entsprechenden Antrag der LINKEN hat der Rat einstimmig beschlossen. Die Stadtverwaltung will nun nach einem geeigneten Platz oder einer Straße Ausschau halten.

10. Februar 2011

Antrag: Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Imo Moszkowicz

die Fraktion DIE LINKE bittet, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung am 1. März 2011 zu setzen:

Der Rat möge beschließen:

  1. Die Stadt Ahlen widmet ihrem Ehrenbürger Imo Moszkowicz ein bleibendes Andenken und benennt eine Straße oder einen Platz nach ihm.

  2. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Straße (oder einen Platz) vorzuschlagen, die (der) den Namen des Ehrenbürgers der Stadt Ahlen Imo Moszkowicz tragen soll


Begründung:

Vor fast dreiundsiebzig Jahren, in der Pogromnacht am 9. November 1938, musste Imo Moszkowicz (*27. Juli 1927) die bittere und schreckliche Erfahrung machen, dass sich seine Ahlener Mitbürger so gut wie nicht darum kümmerten, wie eine SA-Meute, geduldet von der damaligen Polizei und Verwaltung, mit den Ahlener Juden umging, die Synagoge an der Klosterstraße niederbrannte, jüdische Bürger durch die Straßen Ahlens jagte, einen zu Tode brachte und die anderen später vertrieben wurden. Viele wurden dann in Konzentrationslager deportiert und - wie die Mutter von Imo Moszkowicz und die Geschwister – ermordet. Er selbst überlebte Zwangsarbeit und Konzentrationslager nur mit viel Glück.

Es war ein langer und beschwerlicher innerer Prozess für Imo Moszkowicz, bis er in der Lage war, sich wieder seiner Geburtsstadt Ahlen zu nähern. Auch noch nach dem Krieg waren die Verhandlungen vor Gericht gegen die Haupttäter in der Pogromnacht für Imo Moszkowicz eine große Enttäuschung und Demütigung, denn ihm als Zeuge wurde nicht geglaubt, da er ja Jude war. Die Täter wurden letztendlich für ihre menschenverachtenden Taten so gut wie nicht bestraft.

Die freundschaftlichen Kontakte zu Marga Spiegel und ausführliche Gespräche mit Hans-Werner Gummersbach gaben wohl schließlich den Ausschlag, dass der nun sehr bekannte Regisseur 1985 fähig war, die verhasste Stadt wieder zu besuchen.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Bürgermeister Benedikt Ruhmöller die Versöhnung der Stadt Ahlen mit Imo Moszkowicz unterstütze und voranbrachte. Schließlich war Imo Moszkowicz bereit, unter großer Anteilnahme der Ahlener Bevölkerung bei dem Festakt am 5. März 2006 die ihm verliehene Ehrenbürgerschaft der Stadt Ahlen entgegen zu nehmen und sich mit seiner Heimatstadt zu versöhnen. Das Ahlener Kino widmete dem Ehrenbürger den „Imo-Moszkowicz-Saal“ und weihte ihn ein. Darüber freute sich der Geehrte.

Für das Buch von Marga Spiegel „Retter in der Nacht“ hatte Imo Moszkowicz ein sehr ausführliches Drehbuch für einen Film geschrieben und lange Zeit für eine Umsetzung gekämpft. In Anlehnung daran konnte dann am 8. Oktober 2009 die Premiere des Films „Unter Bauern – Retter in der Nacht“ mit Marga Spiegel und dem Schauspielerensemble um Veronica Ferres gefeiert werden. An den Feierlichkeiten konnte Imo Moszkowicz leider wegen einer Krankheit nicht mehr teilnehmen. Mit über 85 Jahren starb Imo Moszkowicz am 11. Januar 2011 im Kreis seiner Familie in München.

Ahlen hat damit einen wichtigen Ehrenbürger und Zeitzeugen verloren, der sich für die Versöhnungsarbeit einsetzte und sich dabei der jungen Generation zuwandte.

Wir alle sind aufgerufen, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht zu vergessen und der jungen Generation die NS-Zeit mit allen Verbrechen vor allem auch in Ahlen zu erklären, um für die Zukunft ähnliche Enwicklungen zu verhindern. Als Mahnung und Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen, sollten wir es als unsere Pflicht empfinden, nach Imo Moszkowicz eine Straße oder einen Platz zu benennen.