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Corona beeinträchtigt die Arbeitsbedingungen der Erzieher:Innen 

Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit – der TVöD soll verbindlich für ALLE gelten!

 

Hallo, ich bin Deike, bin 35 Jahre alt und arbeite seit 14 Jahren als Erzieherin. Seit vielen Jahren bin ich im U 3 Bereich tätig.

In den letzten Jahren hat sich einiges verändert in der Kinderbetreuung. Durch den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab 1 Jahr gibt es einen Mangel an Kitaplätzen und zudem einen Fachkräftemangel. Dieses war abzusehen und wurde dadurch kompensiert, dass die Gruppen bei gleichbleibender Personalsituation überbelegt wurden. Die Belastung durch Mehrarbeit wegen zu knapper Personalbesetzung, in der Krankheits- und Urlaubsausfälle nicht einkalkuliert sind, ist momentan immens. Jedem Kind und dem Bildungsauftrag gerecht zu werden, funktioniert oft nur durch viel persönliches Engagement und Mehrarbeit.

Um dieses Problem zu lösen, muss der Betreuungsschlüssel  für eine adäquate Betreuung der Kinder und zur Entlastung der Erzieher:innen verbessert werden und bundesweit einheitlich geregelt sein. 

In der derzeitigen Situation fühlten sich viele Erzieher:innen von der Politik im Stich gelassen. Im ersten Lockdown wurde eine Notbetreuung angeboten und die Kitas waren einige Wochen geschlossen. Jetzt bei viel höheren Fallzahlen und mit dem Wissen, dass vermehrt Kinder Überträger und betroffene von der Mutationen des Virus sind, sind die Kitas eingeschränkt geöffnet. Das heißt, dass ALLE Kinder kommen dürfen, jedoch mit 10 Stunden reduziertem Betreuungsumfang pro Woche. Die Kita ist gut besucht und durch den unvermeidbaren Körperkontakt zu den Kindern, vor allem im U3 Bereich, und dem Kontakt zwischen den Kindern, sind Infektionsketten trotz hygienischer Maßnahmen schwer zu vermeiden. 

Ab Dezember bestand ein Appell an die Eltern, wenn möglich ihre Kinder zuhause zu betreuen. Die Verantwortung für unseren Schutz hat das Land NRW somit an die Eltern übertragen. Desinfektionsspender, FFP2 Masken und die Option zweimal wöchentlich einen Schnelltest beim Hausarzt durchführen zu lassen, haben uns dann bis zum Impfangebot im März etwas Sicherheit geben. Das Vorziehen in die Impfpriorisierungsgruppe 2 für alle Angestellten in Kindertageseinrichtungen, ist ein Schritt in die richtige Richtung und zeigt mir, dass wir nicht komplett übersehen werden von der Politik. 

Trotz dieser Maßnahmen, wäre eine erneute Notbetreuung mit klaren Vorgaben der Politik in meinen Augen unabdingbar. Dieses sollte zu unserem Schutz dienen und der Pandemiebekämpfung dienen. 

Außerdem erscheint es notwendig, dass es gleiche und verbindliche Standards für alle Erzieher:innen gibt. Dieses bezieht sich vor allem auf die Entlohnung im Rahmen eines allgemeingültigen Flächentarifvertrages. Die Entlohnfestlegung wie sie im TVöD definiert wird, muss verbindlich für alle Erzieher:innen gelten. Die Bezahlung darf sich nicht danach richten, ob man bei einem kirchlichen, einem freien oder einem öffentlichen Träger arbeitet, denn die Arbeit jedes Einzelnen hat denselben Wert. Im Grundsatz muss folgende Forderung für eine gerechtere Bezahlung verbindlich gelten: Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit!

„Sind das Künstler, oder können die weg?“

Hallo, mein Name ist Carsten. Musik ist nicht nur meine Leidenschaft, sondern ich habe mir damit über Jahre meine Brötchen verdient. Dieses war eine sehr prägende Zeit, welche mich weiterhin mit der kulturschaffenden Branche emotional verbindet. Eine Zeit in der man viele kreative Menschen antraf, die einen positiv inspirierten und nachhaltig prägten. Dieses ist der ausschlaggebende Grund, wieso mir das Schicksal dieser Branche und der darin arbeitenden Menschen in Zeiten der Pandemie so am Herzen liegt. Immer wieder stellte ich mir folgende Frage: Wie geht es diesen wunderbaren Menschen? Ich begab mich auf den Weg und führte in den vergangenen Wochen sehr anregende Gespräche. Mein Resultat möchte ich euch in den folgenden Absätzen präsentieren.

Viele freischaffende Künstler:innen bangen derzeit um ihre Existenz. Ohnehin bewegten sich schon vor der Pandemie eine Großzahl von Künstler:innen am Rande der Armutsgrenze. Etwa 200.000 Künstler:innen aus den verschiedensten Bereichen sind der Künstlersozialkasse angeschlossen. Dadurch verringert sich ihre zu entrichtende Summe an Sozialabgaben so, dass sie überhaupt überlebensfähig bleiben können.

Insgesamt verzeichnete Deutschland 1,8 Millionen Beschäftigte in der Kultur-und Kreativbranche bei einem Umsatz von 174,1 Milliarden Euro im Jahr 2019. Im Vergleich: Die deutsche Fußballiga „DFL“ hatte 21.481 Beschäftigte mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro im gleichen Jahr.

Es ist zu erkennen, dass es ein sichtliches Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung hinsichtlich der Not einer Branche gibt. Während Kicker nach Katar geflogen werden, unterliegen Künstler:innen derweilen einer Art Berufsverbot. Viele Soloselbständige haben durch Online-Alternativen versucht, weiterhin aktiv kulturelle Angebote aufrecht zu erhalten. Die Grenzen dieses Mediums waren allerdings schnell aufgezeigt. Wer jemals ein Livekonzert oder Theaterbesuch erleben durfte, kann sich den Unterschied zwischen digitaler und analoger Darbietung nur unschwer vorstellen.

Relativ schnell hat die Bundesregierung Gelder locker gemacht, um den Totalabsturz von Künstler:innen abzufedern. Kreative Menschen empfinden sich allerdings nicht vordergründig als Lohnarbeiter, sondern sehen in ihrer Tätigkeit eine Berufung. Das Geld allein ist keine Rettung.

Wer zur Handlungsunfähigkeit genötigt ist, erleidet auch einen Identitätsverlust. Gleichzeitig schaffen Künstler:innen im Normalfall Identität. Jeder kennt das Phänomen, dass eine kulturelle Veranstaltung; egal ob Club-Besuch, Konzert oder Theater; eine persönliche Euphorie hinterlassen kann, die für eine ganze Woche reicht. Kunst hat etwas Verbindendes und kümmert sich selten um Ländergrenzen. Kunst öffnet uns die Köpfe und schenkt uns neue Perspektiven, die uns in die Zukunft schauen lassen. Kunst lässt uns die Vergangenheit neu betrachten und holt uns gleichzeitig tief in das „Hier und Jetzt“. Das ist identitätsbildend und macht auch somit unweigerlich politisch. Politisch denkende Menschen sind für eine funktionierende Demokratie wiederum unerlässlich.

Sämtliche Künstler:innen mit denen ich Interviews geführt habe bestätigten eine massive Zukunftsangst. Eine der immer wiederkehrenden Fragen war auf die Zeit nach der Krise bezogen. Da sich viele Orte der Kultur und Subkultur wahrscheinlich schon im Konkurs befinden, schwinden auch die Gelegenheiten, diese Orte wieder zu beleben.

Ein geschlossener Club kann keine Bands oder DJ´s auftreten lassen. In fast allen Städten der Republik sind Räume der Kunst nur langsam entstanden und haben sich mit hoher Sensibilität weiterentwickelt. Arbeit von Jahrzehnten. Es besteht die Furcht, dass diese genannten Räume jedoch der fortschreitenden Gentrifizierung anheimfallen und für immer verloren sind. Ich denke an die Stadtteile in Leipzig, in denen sogenannte Wächterhäuser von jungen kreativen Menschen mit Leben erfüllt wurden und mittlerweile von Spekulanten eingenommen sind. Somit werden sie plötzlich zu Orten der Wohlstandsverwahrlosung in denen für übergroße Autos neue Parkhäuser gebaut werden müssen. Das ist kein Platz für linke Parolen, Fridays-for-Future-Banner oder die Frage nach Geschlechtergleichheit. Hier findet auch eine geistige Grünflächenversiegelung statt. 

Soweit darf es nicht kommen, da wir als Gesellschaft auf Impulse außerhalb unserer Denkblase angewiesen sind. Gerade in Deutschland sollten wir aus der Erfahrung gelernt haben, was es bedeutet, wenn wir unserer kulturellen Identität beraubt werden. Künstler:innen sind überlebenswichtig für uns alle. Es braucht ohne Zweifel einen Bestandsschutz nicht nur für Künstler:innen, sondern auch für die von ihnen genutzten Räume. Dieser Schutz muss auf regionaler Ebene und im Bund verankert sein. Andernfalls verlieren wir unsere kulturelle Identität und zugleich unsere politische Stimme.

Künstler:innen müssen bleiben und leben können. Darüber hinaus wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen für Künstler:innen zu erachten. Schließlich gibt es kaum eine Berufsgruppe, die aus so wenig so viel erschafft.

Freizeitsport ist nicht weniger wichtig als Profisport!

Mein Name ist Dominika, ich bin 40 Jahre alt und seit 4 Jahren ehrenamtlich als Trainerin im Turnbereich tätig. 

Der Bezug zu Kindern und ihnen etwas beizubringen ist für mich sehr wichtig. Durch den langen Lockdown und damit totale Kontaktbeschränkung ist dies leider nicht mehr möglich was uns Trainer*innen und den Kindern sehr schwerfällt. 

Im ersten Lockdown wurden leider viele Vereine mit ihren Konzepten allein gelassen. Es gab nur grobe Pläne wie man sich in den Turnhallen verhalten soll (Einbahnstraße, Mindestabstand) und wie oft gelüftet werden soll. Leider sind einige Turnhallen so veraltet, dass das Lüften kaum umsetzbar ist, da sich nicht alle Fenster öffnen lassen. Es mangelte auch an Seife und Trockentüchern zum Hände waschen, obwohl die Stadt zum vermehrten Hände waschen aufrief. So lief es darauf hinaus, dass jede Sportart ihr eigenes Konzept den Kindern und Eltern vorgestellt hat und sich mit anderen Trainer*innen ausgiebig ausgetauscht hat. Und: Es hat super geklappt. Man konnte schnell sehen, dass der Sport kein Infektionsherd war und alle Kinder sich sehr vorbildlich verhalten haben. 

Durch die politische Entscheidung, die Turnhallen für Vereine und den Sportunterricht zu schließen, haben die Kinder leider kaum Möglichkeit sportlich aktiv zu sein. Der Sport in den Vereinen hat die Kinder aus Ihrem Alltag rausgeholt, damit diese neue Kontakte knüpfen, Spaß haben und sich auspowern konnten. 

Der Kindersport ist auch mit Blick auf soziale Ungleichheit wichtig, da hierbei Kinder unterschiedlichster sozialer Hintergründe zusammenkommen. Leider merken wir, dass die Kinder durch den langen Lockdown immer mehr vereinsamen, keine Bewegung haben, Übergewicht entwickeln und dadurch gesundheitliche Probleme auftreten. Aber auch die psychischen Folgen dürfen nicht außen vor gelassen werden. 
Eine Befragung der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf zeigt: Fast jedes dritte Kind ist psychisch auffällig, vor der Krise war es noch jedes fünfte Kind. Gründe für eine Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens seien eine ungesündere Ernährung und deutlich weniger Bewegung. Besonders betroffen sind vor allem die Kinder, die aus sozial schwachen Haushalten kommen.
Das sieht man auch an den sinkenden Mitgliederzahlen, welche besonders dann deutlich werden, wenn die Sporthallen wieder öffnen und Sportplätze benutzt werden dürfen. Die Kinder haben plötzlich keine Lust mehr auf Sport. 
Natürlich dürfen wir auch die ältere Generation mit dem Gesundheitssport nicht vergessen. Für viele ältere Menschen ist der Sport ein wichtiger Teil um ihren Körper und Geist fit zu halten. Nun fällt auch das weg. 

Viele Vereine versuchen seit Anfang des Jahres Training per Internet anzubieten, aber auch da treten die gleichen Probleme wie in den Schulen auf. Teilweise haben die Kinder schlechtes Internet oder haben nicht die räumlichen Möglichkeiten Sport zu machen. 
Warum dürfen bestimmte Bundesliga Vereine und Profisportler*innen schon trainieren aber unsere Kinder nicht? Da stellt sich die Frage: Interessiert sich die Politik weniger für die Gesundheit unserer Kinder als den Profit von großen Vereinen?

Wir wünschen und von der Politik, das nicht nur auf die großen die sogenannten "Sport-Betriebe" geachtet wird, sondern auch die kleinen Vereine gehört und gesehen werden. Wir dürfen die Gesellschaft nicht noch weiter und länger spalten. Was plant die Politik für den Freizeitsport? Werden Hallen umgerüstet, bessere Lüftungssysteme eingebaut? Da passiert leider noch viel zu wenig.

Wir freuen uns, dass es mit einem guten Konzept und einem langsamen Start wieder losgeht. 
Auch der Sportverein im Kreis hat sich auf ein Portal im Internet geeinigt wo einige Gruppen es bereits benutzen und so wieder Kontakt an die Menschen knüpfen. Das ist sehr gut. 
Auch wenn alles nur langsam beginnt, möchten wir nicht bald wieder wie am Anfang vor geschlossen Turnhallen stehen. 

Wer wenig hat, verliert am meisten – soziale Ungleichheit ausgleichen!

Mein Name ist Mark, ich bin 17 Jahre alt und gehe in Warendorf zur Schule. Ich bin in der Q1, also dem ersten Jahr des Abiturs.

Durch die Tatsache, dass wir Kinder und Jugendlichen keine Lobby haben, wird bei uns der Eindruck geweckt, dass wir nicht so wichtig sind, wie große Unternehmen. Der erste Lockdown hat dazu beigetragen, dass wir in dem zweiten aus einigen Fehlern gelernt haben, doch es gibt weiterhin massive Probleme, welche gekonnt ignoriert werden. Durch den Lockdown und allgemein das Distanzlernen wird deutlich, wie stark die soziale Ungleichheit auch Kinder betrifft. Vor allem wird es durch die technische Ausstattung einiger Schüler:innen im Unterricht deutlich. Die Schüler:innen, die keine Kamera besitzen, werden mehrfach von einigen Lehrkräften angefahren. Wenn es um das Ausdrucken von Arbeitsmaterialien geht, wird nie gefragt, ob alle die Möglichkeit besitzen, diese Dinge auszudrucken. Zudem hat es ein Jahr gedauert bis ansatzweise dafür gesorgt wurde, dass Schüler:innen sich in der Schule technische Geräte für den Online-Unterricht abholen können. Aber nicht alle haben zu Hause genug Platz, um für mehrere Kinder einen eigenen und ruhigen Arbeitsplatz zu ermöglichen, doch dafür interessiert sich keiner.

Während des ersten Lockdowns hat die Politik sich nicht mit dem Bereich der Bildung auseinandergesetzt. Ab dem Zeitpunkt, wo die Schulen geschlossen wurden, galt das Problem für erledigt und erst mal beendet. Anstatt sich wie andere Länder auf eine erneute Schulöffnung vorzubereiten und beispielsweise flächendeckend Filteranlagen zu installieren, wurden eine Woche vor Ferienende alle Ministerpräsident:innen zusammengerufen, die damit überfordert waren, die Schulen wieder aufzumachen.

Durch das Kaputtsparen der Bildung kam es dazu, dass auch die Schulen absolut überfordert waren. Die Lehrer:innen waren anfangs, teils immer noch, absolut überfordert mit den Programmen. Alle Funktionen, die die Schüler*innen selbst verwenden können, wurden auch von diesen erklärt. Eine Weiterbildung hat in der ganzen Zeit nicht stattgefunden. Klar ist ein Grund dafür, dass wir kein einheitliches Programm nutzen und im selben Landeskreis die Schulen verschiedene Lernplattformen verwenden. Doch genau da hätte die Politik eingreifen und selbst eine Lernplattform erstellen oder auswählen müssen.

Deshalb wünsche ich mir, dass die Politik sich aktiv und frühzeitig mit dem Bereich Bildung auseinandersetzt und sich direkt Gedanken darübermacht, wie der weitere Verlauf aussehen wird, anstatt immer nur kurzfristig und panisch zu reagieren. Zudem sollte stärker dafür gesorgt werden, dass die soziale Ungleichheit der Kinder durch den Staat ausgeglichen wird. Wer jetzt durch die Krise stark abgehängt wurde, kommt nicht mehr aus diesem Rückstand zurück. Wir brauchen mehr Fairness im Schulsystem!

Geld für Rüstung und Waffen, aber nicht für Schulen

Ich bin Lina, bin 17 Jahre alt und besuche momentan die 12 Klasse eines Gymansiums.

Natürlich war der erste Lockdown für uns alle eine totale Umstellung, weil wir noch keine Pandemie erlebt haben. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass die Politik in Sachen Bildung für uns Schüler:innen, Student:innen und auch Eltern von Kindern, die in die Schule gehen, einiges hätte besser regeln können. 

Schon fast zwei Wochen vor der Schulschließung im letzten März haben wir im Matheunterricht berechnet, wann ein Lockdown eintreten müsste, um die Verbreitung des Virus zu minimieren und um die Verlaufskurve möglichst flach zu halten. Wir sind damals zu dem Ergebnis gekommen, dass er schon längst hätte in Kraft treten müssen und trotzdem mussten wir weiter ohne jeglichen Abstand oder generelles Hygienekonzept in den Kursräumen sitzen.

Die drastische Umstellung in das Home-Schooling war für uns alle Neuland, weswegen ich auch nicht vor habe, meine Lehrer:innen für irgendwelche ungünstigen Umstände verantwortlich zu machen, sondern viel mehr die Politik, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte.

Es wurde erst im Juni, also Monate nach dem Beginn des Lockdowns, weiteres Geld in die Digitalisierung an Schulen in NRW investiert, was meiner Meinung nach einfach zu spät war. Ob die Summe im Vergleich zu dem Militärbudget gerecht ist, ist dann aber wieder eine andere Sache.

Die fehlenden Digitalisierung hatte zur Folge, dass die Kommunikation zwischen manchen Lehrer:innen und Schüler:innen zu wünschen übrig ließ. Dies wurde erst Recht zu einem großen Problem, wenn Klausuren anstanden. Abiturrelevanten Stoff mussten wir uns mehr oder weniger selber beibringen, was manchmal zu einem enormen Druck führte, weil man schließlich keine schlechte Note schreiben wollte. Ohne Videokonferenzen mit Lehrer:innen Themen zu lernen fühlte sich manchmal unmöglich zu schaffen an.

Vor allem in meinem Chemie-LK bin ich nicht immer richtig hinterhergekommen, obwohl ich immer gut in diesem Fach war, weswegen ich mich später dazu entschieden habe, das Schuljahr trotz eines guten Zeugnisses freiwillig zu wiederholen. Für mich war das Risiko, nicht gut genug für meine zukünftigen Abiturprüfungen vorbereitet zu sein, einfach viel zu hoch. Klar kann man den Leistungsdruck und das Erhalten von zu vielen Aufgaben nicht für alle Schüler:innen pauschalisieren, das ist allerdings auch nicht besonders relevant, weil man doch vor allem die Benachteiligten in der Pandemie berücksichtigen muss.

Nebenbei bemerkt lässt die Berücksichtigung von finanziell und sozial Benachteiligten im Bereich der Bildung, weiter zu wünschen übrig. Die Annahme, dass jede:r Schüler:in einen eigenen Laptop, einen eigenen Computer oder ein eigenes Tablet, geschweige denn eine stabile Internetverbindung oder eine ruhige Umgebung zum Bearbeiten der Aufgaben hat, trotzt entweder davon, wie fern ab von der Realität viele Politiker:innen denken, oder wie es diese Politiker:innen einfach nicht interessiert, dass Menschen in der Pandemie zurückgelassen werden. 

Für den zweiten Lockdown gab es dann glücklicherweise weniger technische Probleme, zumindest an meiner Schule, weil alle Schüler:innen sich ein iPad leihen konnten, um damit die Aufgaben zu bearbeiten. Auch Videokonferenzen wurden endlich bewilligt, was das Verstehen von neuen Themen sehr erleichtert hat.

Auch wenn es jetzt besser ist als im letzten Lockdown, ist die momentane Situation alles andere als ideal. Man wird als Schüler:in wenig ernst genommen, weil viele denken, man könne sich nicht beschweren, nur weil es Menschen gibt, denen es auch nicht optimal geht. Die Wahrheit ist, dass diese Pandemie momentan für jeden Menschen schwer ist, weil sie sehr viel Unsicherheit mit sich bringt, trotzdem sollte man Schüler:innen bei ihren Anliegen zuhören und nicht von oben herab über sie entscheiden.

Recht auf gute Bildung für alle!

Mein Name ist Javier, ich bin 44 Jahre alt und seit 15 Jahren als Lehrer für Sonderpädagogik im Schuldienst des Landes NRW tätig. Im Rahmen meines Berufs arbeitete ich bereits an verschiedenen Förder- und Regelschulen. Für den pädagogischen Erfolg dieser Tätigkeit sind persönlicher Bezug und alltäglicher Kontakt sehr wichtig.

Gerade für meinen Wirkungsbereich ist die momentane Situation sehr unbefriedigend, da es sich hierbei oft um Schülerinnen: und Schüler handelt, welche neben ihrem schulischen handicap, ein weiteres mit sich tragen. Dieses ist in der Regel gesellschaftlich bedingt und es gibt dafür leider keine geeigneten pädagogischen Fördermaßnahmen: Die soziale und finanzielle Benachteiligung. 

Diese Benachteiligung ist ein Resultat mangelnder Investitionen in das Sozial- und Bildungssystem in den letzten Jahrzehnten. Die fehlenden Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen und der mangelnde Lehrkräftenachwuchs, macht sich in der Pandemie besonders bemerkbar. Zugleich sind diejenigen Lehrkräfte, die zurzeit jeden Tag unter widrigen Bedingungen arbeiten, nicht auf eine solche „Daseinsform der neue digitalen Normalität“ systematisch vorbereitet worden. Jede Schule und jede Lehrkraft soll sich individuell nach ihren Bedürfnissen digital weiterentwickeln. Es wird nicht in Standards investiert und es droht wieder ein Wettbewerb nach der Logik des Marktes. Schulen mit einem digital affinen Kollegium werden dieses Rennen gewinnen und eine bessere „Bildungsware“ anbieten können. Auf der Strecke bleiben dabei viele Schülerinnen: und Schüler. Das darf nicht sein.

Dieser Personenkreis ist aufgrund ihrer sozialen und finanziellen Situation nicht dazu in der Lage, sich den neuen Herausforderungen der Pandemie zu stellen. So fehlt es vielen Familien an geeignetem Wohnraum, an ausreichend Endgeräten für die Kinder, an technischem Knowhow und an einer guten Internetverbindung. Außerdem kann eine gute Lernbegleitung durch die Eltern nicht immer gewährleistet werden. Den Eltern fehlt es häufig an technischem Knowhow, sie besitzen nicht ausreichend Deutschkenntnisse, die Aufgaben werden inhaltlich nicht verstanden oder sie sind beruflich eingebunden. Von Chancengerechtigkeit kann in Deutschland also nicht die Rede sein, die Grenze verläuft in der Realität zwischen armen und reichen Familien.

Trotz dieser widrigen Umstände, aus denen man schließen könnte, dass man als Lehrkraft in einer Institution arbeitet, die den bildungspolitisch herbeigeführten Mangel verwaltet, trifft man im Alltag auf hochmotivierte Lehrkräfte. Diese arbeiten engagiert und nehmen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag sehr ernst. Schüler:innen, die keine digitale Infrastruktur besitzen, werden in der Regel nicht alleine gelassen. Lehrkräfte telefonieren diesen hinterher, versorgen die Kinder und Jugendlichen „analog“ mit Arbeitsmaterialien, engagieren sich in sogenannten Notfallbetreuungsgruppen, nehmen Kontakt zu den Familien auf, organisieren Besprechungsrunden über Videokonferenzen und installieren Gruppen über social-media Kanäle, um weiterhin in Kontakt zu bleiben und Nähe herzustellen. Diese Liste könnte man bestimmt noch weiterführen, soll aber eigentlich exemplarisch dafür stehen, dass die Lehrkräfte ihr Bestes geben, damit kein Kind verloren geht.

In diesem Zusammenhang darf man natürlich die Schulsozialarbeit nicht unerwähnt lassen. Diese Berufssparte sorgt in diesen Zeiten ebenfalls dafür, dass Bildungsbenachteiligte nicht komplett den Anschluss verlieren. Durch ihre sozialpädagogische Arbeit tragen sie dazu bei, dass junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung gefördert werden. Leider sind auch diese stark ausgelastet und nicht an jeder Schule gibt es Sozialarbeiter:innen, obwohl diese bei der Schülerschaft ein großes Vertrauen genießen. 

Um der nun immer weiter fortschreitenden Chancenungleichheit entgegenzuwirken, sind folgende Punkte notwendig:

  • Bedarfsdeckende Versorgung von finanziell benachteiligten Schüler:Innen mit kostenlosen digitalen Endgeräten und analogen Materialien (Bücher, Stifte, Verbrauchsmaterial)
  • Schaffung von durch Lehrkräfte betreute Lernräumen an Schulen für Schüler:innen, welche daheim digital unterversorgt sind
  • Schaffung von durch Lehrkräfte betreute individuelle Fördergruppen in der „Nachpandemiezeit“
  • Schaffung eines bedarfsorientierten zusätzlichen Schuljahres, in dem verpasste schulische Inhalte nachgeholt werden können, ohne dass sich dieses negativ auf die Schullaufbahn auswirkt (Kein Sitzenbleiben!)
  • Schaffung einer flächendeckend leistungsfähigen digitalen Infrastruktur an den Schulen (mehr technische Endgeräte, stabiles WLAN, Glasfaseranschluss)
  • Systematische Weiterbildungen der Lehrkräfte für den Übergang in ein digitales Lernen, um verbindliche Standards für die Zukunft zu schaffen
  • Bewusstsein schaffen, dass digitale Lehre nicht den Präsenzunterricht ersetzen kann, sondern nur ein weiteres Modul im Portfolio der Lehrmöglichkeiten ist
  • Forcierung der Lehrerausbildung an den Hochschulen, um langfristig die Unterversorgung an den Schulen zu deckeln und individuellere Lernformen über kleinere Lerngruppen zu ermöglichen
  • Mehr Schulsozialarbeiter:innen an den Schulen, um den benachteiligten Schüler:innen eine Stimme zu geben

 

Alles in allem sind die Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen wesentlicher Bestandteil des Gemeinwohls und der öffentlichen Daseinsfürsorge in Zeiten der Pandemie. Sie setzen sich in einem stark unterfinanzierten System für benachteiligte Schüler:innen ein und tragen die Versäumnisse der Politik auf ihren Schultern. Sie sind aufrichtige Alltagsheld:innen in widrigen Zeiten. Zum Schutz dieser Heldinnen: und Helden, zum Wohl der Kinder und Jugendlichen und zum Wohl der gesamten Gesellschaft ist es notwendig, dass die Landesregierungen Geld in die Hand nehmen – jetzt!

Privatisierung der Krankenhäuser stoppen!

Mein Name ist Oliver, ich bin 50 Jahre alt und arbeite in der Krankenpflege. Mittlerweile bin ich seit rund 25 Jahren in diesem Beruf tätig und seit langer Zeit auch in der Gewerkschaft Verdi Mitglied.
Die prekäre Lage in der Pflege und der extreme Personalmangel sind seit Jahren bekannt. Das ist auch der Politik bewusst, Verbesserung gab es jedoch kaum. Ganz im Gegenteil, die Situation in der Pflege hat sich durch die Corona-Krise drastisch verschlechtert. Die Ursachen für die Probleme in der Pflege reichen jedoch noch deutlich weiter zurück.

Durch die Privatisierung der Pflege wurden Krankenhäuser zu Unternehmen und Pflegekräfte zu einem Kostenfaktor, welcher über die Jahre versucht wurde zu minimieren. Die seit 1996 eingeführten Fallpauschalen markierten einen Abwärtstrend. Infolgedessen fand in Krankenhäusern ein Personalabbau und das Outsourcing von Teilbereichen, wie beispielsweise Küche, Reinigung, Apotheke, Labor und ähnlichem statt. Resultierend daraus verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in diesen Bereichen eklatant.

Als die erste Welle begann wurden in der Pflege Arbeitsschutzgesetze, z.B. die erst kürzlich eingeführten Mindestbesetzungen in einigen Bereichen wie z.B. Intensivstationen, ausgesetzt. Das bedeutete für uns, dass wir noch mehr Arbeit mit einer noch geringeren Besetzung machen mussten, wobei auch wieder 12 Stunden Schichten erlaubt wurden. Das gilt auch noch heute.
Als die zweite Welle zu rollen begann wurde groß berichtet, wie stark man die Kapazitäten erhöhen könnte. Die Anschaffung weiterer Intensivbetten und Beatmungsgeräte sei kein Problem. Dabei wurde jedoch das begrenzte Pflegepersonal nicht beachtet, welches nicht über die Belastungsgrenze hinaus arbeiten kann. Außerdem kommen noch die hohen Ausfallquoten des Gesundheitspersonals durch Überlastung oder Infektionen hinzu.

Der Corona Bonus hat auch nicht gehalten, was er versprochen hat. Der Fokus lag plötzlich auf der Altenpflege, welche Gesundheitsminister Laumann als besonders belastet sah, da die Krankenpflege besser bezahlt und besser geschützt sei. Damit hat er nicht unrecht, aber der Corona Bonus sollte nicht die prekäre Bezahlung in der Branche ausgleichen! Diese muss man über andere Wege als Boni nachhaltig verbessern. 
Es ist außerdem eine Frechheit, dass der Bund den Bonus zwar für die Altenpflege beschloss, die Verantwortung über einen Bonus in der Krankenpflege jedoch an die Krankenkassen und Krankenhausträger abtrat. Diese hatten natürlich ein eher geringes Interesse an großen Ausschüttungen. Somit wurde eine Auszahlung eines Bonus an COVID Fallzahlen geknüpft. Viele Krankenhäuser gingen da leer aus. Auch wenn dort Menschen an vorderster Front mit Infizierten gearbeitet haben. Erfreulicherweise haben sich die Tarifparteien der Caritas auf eine Zusatzzahlung geeinigt. Aber auch dort wurde der Bonus an Bedingungen geknüpft. So wurde der Bonus auf 300€ bis 600€ festgelegt. Dazu gab es die Unterscheidung zwischen Teilzeit und Vollzeit Pflegekräften und einer Kopplung an die Gehaltsstufen. So kommt es dazu, dass Pfleger:innen, die bereits länger angestellt sind, im Vergleich zu ihren neueren Koleg:innen, einen geringeren Bonus bekommen. Zudem betrifft es auch nur die Caritas Tarifgebundenen Häuser. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Krankenhäuser einen steuerfreien Bonus an die Angestellten ausschütten, da dieser jedoch auf freiwilliger Basis beruht, bekommen viele Pflegende einen solchen Bonus nie zu Gesicht.

Die Politik hat mit Blick auf die Pflege in dieser Pandemie versagt. Auf der einen Seite wird die Lufthansa mit Milliarden gerettet, aber für die Pfleger:innen, die um Leben kämpfen und an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, gibt es nur Applaus und billige Symbolik, statt ernstzunehmender Wertschätzung.

Bei der Pflegekammer mag man ja gar nicht erst anfangen. Da versucht die Politik doch ernsthaft dieses Modell als Lösung aller Probleme in der Pflege anzupreisen, dabei würde es einer Pflegekammer an Kompetenzen fehlen, um an den Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte tatsächlich etwas zu ändern. Das Einzige was sie wirklich könnte, wäre Berufs- und Ausbildungsordnungen erlassen und Fortbildungen vorschreiben. Jedoch wäre auch das nicht im Interesse der Pflegenden. Dass die Arbeitgeber diese zahlen, geschweige denn ihre Angestellten für diese frei stellen würden gilt es zu bezweifeln. Darüber hinaus würde durch eine Pflegekammer auch ein Zwangs-Kammerbeitrag zu Lasten der Pflegenden fällig werden. In Niedersachsen scheiterte das Konzept bereits am anhaltenden Protest der Pflege.
Der Bundesregierung fehlt es derweil noch an einem nachhaltigen Konzept als Antwort auf den Pflegenotstand. Aktuell besteht ihr Konzept nämlich nur aus – mit Verlaub - schlechten Internet Kampagnen und der Anwerbung von Pflegepersonal aus dem Ausland. Durch Letzteres entstehen in Osteuropa und Ländern wie Mexico ein infrastruktureller Schaden, welcher das Problem nicht löst, sondern nur verschiebt.

Deshalb wünsche ich mir von der Politik, dass die Privatisierung des Gesundheitswesens rückgängig gemacht wird. Gesundheit darf weder Profit orientiert sein, noch darf damit wirtschaftlich spekuliert werden. Die Fallpauschale gehört abgeschafft und die Politik muss sich von dem Konzept der Zwangskammer abwenden. Es braucht einen Mindestlohn für alle Pflegekräfte, welcher sich an dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu orientieren hat und Gesetze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ansonsten werden noch mehr Pflegekräfte abwandern, als es ohnehin schon der Fall ist. #Pflexit.