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Geld für Rüstung und Waffen, aber nicht für Schulen

Ich bin Lina, bin 17 Jahre alt und besuche momentan die 12 Klasse eines Gymansiums.

Natürlich war der erste Lockdown für uns alle eine totale Umstellung, weil wir noch keine Pandemie erlebt haben. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass die Politik in Sachen Bildung für uns Schüler:innen, Student:innen und auch Eltern von Kindern, die in die Schule gehen, einiges hätte besser regeln können. 

Schon fast zwei Wochen vor der Schulschließung im letzten März haben wir im Matheunterricht berechnet, wann ein Lockdown eintreten müsste, um die Verbreitung des Virus zu minimieren und um die Verlaufskurve möglichst flach zu halten. Wir sind damals zu dem Ergebnis gekommen, dass er schon längst hätte in Kraft treten müssen und trotzdem mussten wir weiter ohne jeglichen Abstand oder generelles Hygienekonzept in den Kursräumen sitzen.

Die drastische Umstellung in das Home-Schooling war für uns alle Neuland, weswegen ich auch nicht vor habe, meine Lehrer:innen für irgendwelche ungünstigen Umstände verantwortlich zu machen, sondern viel mehr die Politik, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte.

Es wurde erst im Juni, also Monate nach dem Beginn des Lockdowns, weiteres Geld in die Digitalisierung an Schulen in NRW investiert, was meiner Meinung nach einfach zu spät war. Ob die Summe im Vergleich zu dem Militärbudget gerecht ist, ist dann aber wieder eine andere Sache.

Die fehlenden Digitalisierung hatte zur Folge, dass die Kommunikation zwischen manchen Lehrer:innen und Schüler:innen zu wünschen übrig ließ. Dies wurde erst Recht zu einem großen Problem, wenn Klausuren anstanden. Abiturrelevanten Stoff mussten wir uns mehr oder weniger selber beibringen, was manchmal zu einem enormen Druck führte, weil man schließlich keine schlechte Note schreiben wollte. Ohne Videokonferenzen mit Lehrer:innen Themen zu lernen fühlte sich manchmal unmöglich zu schaffen an.

Vor allem in meinem Chemie-LK bin ich nicht immer richtig hinterhergekommen, obwohl ich immer gut in diesem Fach war, weswegen ich mich später dazu entschieden habe, das Schuljahr trotz eines guten Zeugnisses freiwillig zu wiederholen. Für mich war das Risiko, nicht gut genug für meine zukünftigen Abiturprüfungen vorbereitet zu sein, einfach viel zu hoch. Klar kann man den Leistungsdruck und das Erhalten von zu vielen Aufgaben nicht für alle Schüler:innen pauschalisieren, das ist allerdings auch nicht besonders relevant, weil man doch vor allem die Benachteiligten in der Pandemie berücksichtigen muss.

Nebenbei bemerkt lässt die Berücksichtigung von finanziell und sozial Benachteiligten im Bereich der Bildung, weiter zu wünschen übrig. Die Annahme, dass jede:r Schüler:in einen eigenen Laptop, einen eigenen Computer oder ein eigenes Tablet, geschweige denn eine stabile Internetverbindung oder eine ruhige Umgebung zum Bearbeiten der Aufgaben hat, trotzt entweder davon, wie fern ab von der Realität viele Politiker:innen denken, oder wie es diese Politiker:innen einfach nicht interessiert, dass Menschen in der Pandemie zurückgelassen werden. 

Für den zweiten Lockdown gab es dann glücklicherweise weniger technische Probleme, zumindest an meiner Schule, weil alle Schüler:innen sich ein iPad leihen konnten, um damit die Aufgaben zu bearbeiten. Auch Videokonferenzen wurden endlich bewilligt, was das Verstehen von neuen Themen sehr erleichtert hat.

Auch wenn es jetzt besser ist als im letzten Lockdown, ist die momentane Situation alles andere als ideal. Man wird als Schüler:in wenig ernst genommen, weil viele denken, man könne sich nicht beschweren, nur weil es Menschen gibt, denen es auch nicht optimal geht. Die Wahrheit ist, dass diese Pandemie momentan für jeden Menschen schwer ist, weil sie sehr viel Unsicherheit mit sich bringt, trotzdem sollte man Schüler:innen bei ihren Anliegen zuhören und nicht von oben herab über sie entscheiden.

Recht auf gute Bildung für alle!

Mein Name ist Javier, ich bin 44 Jahre alt und seit 15 Jahren als Lehrer für Sonderpädagogik im Schuldienst des Landes NRW tätig. Im Rahmen meines Berufs arbeitete ich bereits an verschiedenen Förder- und Regelschulen. Für den pädagogischen Erfolg dieser Tätigkeit sind persönlicher Bezug und alltäglicher Kontakt sehr wichtig.

Gerade für meinen Wirkungsbereich ist die momentane Situation sehr unbefriedigend, da es sich hierbei oft um Schülerinnen: und Schüler handelt, welche neben ihrem schulischen handicap, ein weiteres mit sich tragen. Dieses ist in der Regel gesellschaftlich bedingt und es gibt dafür leider keine geeigneten pädagogischen Fördermaßnahmen: Die soziale und finanzielle Benachteiligung. 

Diese Benachteiligung ist ein Resultat mangelnder Investitionen in das Sozial- und Bildungssystem in den letzten Jahrzehnten. Die fehlenden Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen und der mangelnde Lehrkräftenachwuchs, macht sich in der Pandemie besonders bemerkbar. Zugleich sind diejenigen Lehrkräfte, die zurzeit jeden Tag unter widrigen Bedingungen arbeiten, nicht auf eine solche „Daseinsform der neue digitalen Normalität“ systematisch vorbereitet worden. Jede Schule und jede Lehrkraft soll sich individuell nach ihren Bedürfnissen digital weiterentwickeln. Es wird nicht in Standards investiert und es droht wieder ein Wettbewerb nach der Logik des Marktes. Schulen mit einem digital affinen Kollegium werden dieses Rennen gewinnen und eine bessere „Bildungsware“ anbieten können. Auf der Strecke bleiben dabei viele Schülerinnen: und Schüler. Das darf nicht sein.

Dieser Personenkreis ist aufgrund ihrer sozialen und finanziellen Situation nicht dazu in der Lage, sich den neuen Herausforderungen der Pandemie zu stellen. So fehlt es vielen Familien an geeignetem Wohnraum, an ausreichend Endgeräten für die Kinder, an technischem Knowhow und an einer guten Internetverbindung. Außerdem kann eine gute Lernbegleitung durch die Eltern nicht immer gewährleistet werden. Den Eltern fehlt es häufig an technischem Knowhow, sie besitzen nicht ausreichend Deutschkenntnisse, die Aufgaben werden inhaltlich nicht verstanden oder sie sind beruflich eingebunden. Von Chancengerechtigkeit kann in Deutschland also nicht die Rede sein, die Grenze verläuft in der Realität zwischen armen und reichen Familien.

Trotz dieser widrigen Umstände, aus denen man schließen könnte, dass man als Lehrkraft in einer Institution arbeitet, die den bildungspolitisch herbeigeführten Mangel verwaltet, trifft man im Alltag auf hochmotivierte Lehrkräfte. Diese arbeiten engagiert und nehmen ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag sehr ernst. Schüler:innen, die keine digitale Infrastruktur besitzen, werden in der Regel nicht alleine gelassen. Lehrkräfte telefonieren diesen hinterher, versorgen die Kinder und Jugendlichen „analog“ mit Arbeitsmaterialien, engagieren sich in sogenannten Notfallbetreuungsgruppen, nehmen Kontakt zu den Familien auf, organisieren Besprechungsrunden über Videokonferenzen und installieren Gruppen über social-media Kanäle, um weiterhin in Kontakt zu bleiben und Nähe herzustellen. Diese Liste könnte man bestimmt noch weiterführen, soll aber eigentlich exemplarisch dafür stehen, dass die Lehrkräfte ihr Bestes geben, damit kein Kind verloren geht.

In diesem Zusammenhang darf man natürlich die Schulsozialarbeit nicht unerwähnt lassen. Diese Berufssparte sorgt in diesen Zeiten ebenfalls dafür, dass Bildungsbenachteiligte nicht komplett den Anschluss verlieren. Durch ihre sozialpädagogische Arbeit tragen sie dazu bei, dass junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung gefördert werden. Leider sind auch diese stark ausgelastet und nicht an jeder Schule gibt es Sozialarbeiter:innen, obwohl diese bei der Schülerschaft ein großes Vertrauen genießen. 

Um der nun immer weiter fortschreitenden Chancenungleichheit entgegenzuwirken, sind folgende Punkte notwendig:

  • Bedarfsdeckende Versorgung von finanziell benachteiligten Schüler:Innen mit kostenlosen digitalen Endgeräten und analogen Materialien (Bücher, Stifte, Verbrauchsmaterial)
  • Schaffung von durch Lehrkräfte betreute Lernräumen an Schulen für Schüler:innen, welche daheim digital unterversorgt sind
  • Schaffung von durch Lehrkräfte betreute individuelle Fördergruppen in der „Nachpandemiezeit“
  • Schaffung eines bedarfsorientierten zusätzlichen Schuljahres, in dem verpasste schulische Inhalte nachgeholt werden können, ohne dass sich dieses negativ auf die Schullaufbahn auswirkt (Kein Sitzenbleiben!)
  • Schaffung einer flächendeckend leistungsfähigen digitalen Infrastruktur an den Schulen (mehr technische Endgeräte, stabiles WLAN, Glasfaseranschluss)
  • Systematische Weiterbildungen der Lehrkräfte für den Übergang in ein digitales Lernen, um verbindliche Standards für die Zukunft zu schaffen
  • Bewusstsein schaffen, dass digitale Lehre nicht den Präsenzunterricht ersetzen kann, sondern nur ein weiteres Modul im Portfolio der Lehrmöglichkeiten ist
  • Forcierung der Lehrerausbildung an den Hochschulen, um langfristig die Unterversorgung an den Schulen zu deckeln und individuellere Lernformen über kleinere Lerngruppen zu ermöglichen
  • Mehr Schulsozialarbeiter:innen an den Schulen, um den benachteiligten Schüler:innen eine Stimme zu geben

 

Alles in allem sind die Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen wesentlicher Bestandteil des Gemeinwohls und der öffentlichen Daseinsfürsorge in Zeiten der Pandemie. Sie setzen sich in einem stark unterfinanzierten System für benachteiligte Schüler:innen ein und tragen die Versäumnisse der Politik auf ihren Schultern. Sie sind aufrichtige Alltagsheld:innen in widrigen Zeiten. Zum Schutz dieser Heldinnen: und Helden, zum Wohl der Kinder und Jugendlichen und zum Wohl der gesamten Gesellschaft ist es notwendig, dass die Landesregierungen Geld in die Hand nehmen – jetzt!

Privatisierung der Krankenhäuser stoppen!

Mein Name ist Oliver, ich bin 50 Jahre alt und arbeite in der Krankenpflege. Mittlerweile bin ich seit rund 25 Jahren in diesem Beruf tätig und seit langer Zeit auch in der Gewerkschaft Verdi Mitglied.
Die prekäre Lage in der Pflege und der extreme Personalmangel sind seit Jahren bekannt. Das ist auch der Politik bewusst, Verbesserung gab es jedoch kaum. Ganz im Gegenteil, die Situation in der Pflege hat sich durch die Corona-Krise drastisch verschlechtert. Die Ursachen für die Probleme in der Pflege reichen jedoch noch deutlich weiter zurück.

Durch die Privatisierung der Pflege wurden Krankenhäuser zu Unternehmen und Pflegekräfte zu einem Kostenfaktor, welcher über die Jahre versucht wurde zu minimieren. Die seit 1996 eingeführten Fallpauschalen markierten einen Abwärtstrend. Infolgedessen fand in Krankenhäusern ein Personalabbau und das Outsourcing von Teilbereichen, wie beispielsweise Küche, Reinigung, Apotheke, Labor und ähnlichem statt. Resultierend daraus verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in diesen Bereichen eklatant.

Als die erste Welle begann wurden in der Pflege Arbeitsschutzgesetze, z.B. die erst kürzlich eingeführten Mindestbesetzungen in einigen Bereichen wie z.B. Intensivstationen, ausgesetzt. Das bedeutete für uns, dass wir noch mehr Arbeit mit einer noch geringeren Besetzung machen mussten, wobei auch wieder 12 Stunden Schichten erlaubt wurden. Das gilt auch noch heute.
Als die zweite Welle zu rollen begann wurde groß berichtet, wie stark man die Kapazitäten erhöhen könnte. Die Anschaffung weiterer Intensivbetten und Beatmungsgeräte sei kein Problem. Dabei wurde jedoch das begrenzte Pflegepersonal nicht beachtet, welches nicht über die Belastungsgrenze hinaus arbeiten kann. Außerdem kommen noch die hohen Ausfallquoten des Gesundheitspersonals durch Überlastung oder Infektionen hinzu.

Der Corona Bonus hat auch nicht gehalten, was er versprochen hat. Der Fokus lag plötzlich auf der Altenpflege, welche Gesundheitsminister Laumann als besonders belastet sah, da die Krankenpflege besser bezahlt und besser geschützt sei. Damit hat er nicht unrecht, aber der Corona Bonus sollte nicht die prekäre Bezahlung in der Branche ausgleichen! Diese muss man über andere Wege als Boni nachhaltig verbessern. 
Es ist außerdem eine Frechheit, dass der Bund den Bonus zwar für die Altenpflege beschloss, die Verantwortung über einen Bonus in der Krankenpflege jedoch an die Krankenkassen und Krankenhausträger abtrat. Diese hatten natürlich ein eher geringes Interesse an großen Ausschüttungen. Somit wurde eine Auszahlung eines Bonus an COVID Fallzahlen geknüpft. Viele Krankenhäuser gingen da leer aus. Auch wenn dort Menschen an vorderster Front mit Infizierten gearbeitet haben. Erfreulicherweise haben sich die Tarifparteien der Caritas auf eine Zusatzzahlung geeinigt. Aber auch dort wurde der Bonus an Bedingungen geknüpft. So wurde der Bonus auf 300€ bis 600€ festgelegt. Dazu gab es die Unterscheidung zwischen Teilzeit und Vollzeit Pflegekräften und einer Kopplung an die Gehaltsstufen. So kommt es dazu, dass Pfleger:innen, die bereits länger angestellt sind, im Vergleich zu ihren neueren Koleg:innen, einen geringeren Bonus bekommen. Zudem betrifft es auch nur die Caritas Tarifgebundenen Häuser. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Krankenhäuser einen steuerfreien Bonus an die Angestellten ausschütten, da dieser jedoch auf freiwilliger Basis beruht, bekommen viele Pflegende einen solchen Bonus nie zu Gesicht.

Die Politik hat mit Blick auf die Pflege in dieser Pandemie versagt. Auf der einen Seite wird die Lufthansa mit Milliarden gerettet, aber für die Pfleger:innen, die um Leben kämpfen und an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, gibt es nur Applaus und billige Symbolik, statt ernstzunehmender Wertschätzung.

Bei der Pflegekammer mag man ja gar nicht erst anfangen. Da versucht die Politik doch ernsthaft dieses Modell als Lösung aller Probleme in der Pflege anzupreisen, dabei würde es einer Pflegekammer an Kompetenzen fehlen, um an den Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte tatsächlich etwas zu ändern. Das Einzige was sie wirklich könnte, wäre Berufs- und Ausbildungsordnungen erlassen und Fortbildungen vorschreiben. Jedoch wäre auch das nicht im Interesse der Pflegenden. Dass die Arbeitgeber diese zahlen, geschweige denn ihre Angestellten für diese frei stellen würden gilt es zu bezweifeln. Darüber hinaus würde durch eine Pflegekammer auch ein Zwangs-Kammerbeitrag zu Lasten der Pflegenden fällig werden. In Niedersachsen scheiterte das Konzept bereits am anhaltenden Protest der Pflege.
Der Bundesregierung fehlt es derweil noch an einem nachhaltigen Konzept als Antwort auf den Pflegenotstand. Aktuell besteht ihr Konzept nämlich nur aus – mit Verlaub - schlechten Internet Kampagnen und der Anwerbung von Pflegepersonal aus dem Ausland. Durch Letzteres entstehen in Osteuropa und Ländern wie Mexico ein infrastruktureller Schaden, welcher das Problem nicht löst, sondern nur verschiebt.

Deshalb wünsche ich mir von der Politik, dass die Privatisierung des Gesundheitswesens rückgängig gemacht wird. Gesundheit darf weder Profit orientiert sein, noch darf damit wirtschaftlich spekuliert werden. Die Fallpauschale gehört abgeschafft und die Politik muss sich von dem Konzept der Zwangskammer abwenden. Es braucht einen Mindestlohn für alle Pflegekräfte, welcher sich an dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu orientieren hat und Gesetze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ansonsten werden noch mehr Pflegekräfte abwandern, als es ohnehin schon der Fall ist. #Pflexit.